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Die Interpretation, Grund für die Finanzkrise sei der Umstand, daß die Bänker ihre Unternehmen nicht im Griff hätten und ihre eigenen Produkte nicht verstünden, greift wohl ein wenig zu kurz. Hier liegen auch strukturelle und regulationspolitische Probleme vor: Zum einem der wahnsinnige Renditewahn und zum anderen der Umstand, daß mit Produkten gehandelt wird, die inexistent sind (etwa mit Wetten auf Wertverluste- oder Gewinne einzelner Aktien). Mangelnde Autorität von Chefs ist ganz bestimmt kein Grund.
Kontrolle bzw. Mitarbeiterüberwachung ist (mit gutem Grund) in Unternehmen hierzulande verboten. Diese Grund- und Menschenrechte von ArbeitnehmerInnen will Springer mit seinem Buch und durch seine Forderungen ganz gezielt untergraben. Dabei versucht er, die "Sozialschmarotzerdebatte" eines Hartzschen Neoliberalismusgedankens auf ArbeitnehmerInnen zu übertragen. Mißtrauen, Kontrolle und Überwachung soll nun auch in weiteren Gesellschaftsbereichen Einzug halten, denn die MitarbeiterInnen handelten nur im kurzsichtigen Eigeninteresse, also zu Ungunsten ihrer jeweiligen ArbeitgeberInnen.
Wir meinen: Vor 200 Jahren wäre dieses Buch vielleicht modern gewesen. Heute ist es lediglich reaktionär und nicht besonders originell. Zum Glück ist es vermutlich sogar den meisten Neoliberalen zu einseitig, als daß diese "Ideen" weiter Beachtung finden werden dürften. In der Radikalität der Arbeitgeberinteressenvertretung und dem allgemeinen Trend zur Mitarbeiterüberwachung dürften Neoliberale diese Ansätze aber wohl begrüßen.
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