Textpassagen aus Dieter Nuhrs aktuellem „Programm“ Nuhr die Ruhe
Dieter macht doch Nuhr Spaß
Wie man durch Humor noch effektiver neoliberale Gehirnwäsche betreibt
Dieter macht doch Nuhr Spaß
Wie man durch Humor noch effektiver neoliberale Gehirnwäsche betreibt
Humor ist, wenn man trotzdem lacht merkte Loriot an. Ab welchem Punkt darf man aber aufhören zu lachen ohne als humorlos zu gelten? Zum Beispiel an dem Punkt, an dem Humor als Mittel genutzt wird, die Schwachen in unserer Gesellschaft zu verhöhnen und oder aus einer privilegierten Position heraus eine Ideologie der sozialen Ungerechtigkeit zu verbreiten. Im Folgenden soll eine längere Passage zum Thema Gerechtigkeit aus dem aktuellen Programm des populären Commedians Dieter Nuhr analysiert werden:
Die einen gehen in die Universität und die anderen gehen noch mit Vollbart in die 4. Klasse, nur weil sie 1 und 1 nicht zusammenzählen können. Das ist ja nicht gerecht.
Gerechtigkeit ist, wenn man auch ein Analphabet schreiben kann, nur eben anders. Und wenn jeder Weltmeister werden darf. Warum denn nicht? Man muß nur knapp 7 Milliarden Goldmedaillen pressen und dann kann jeder die 100 Meter in 9,58 laufen, oder in 1:25 Minuten oder in 2:65 Stunden. Ist ja dann wurscht, wenn alles gerecht ist.
Das Thema dieser Passage ist die soziale Gerechtigkeit. Als Witz verpackt verhöhnt Nuhr hier das Streben nach einer sozialen Gerechtigkeit und der Chancengleichheit im Bildungssystem.
Nuhr verwendet den Begriff der Gerechtigkeit hier sehr ungenau, da im Kontext von Bildungssystem und Berufswahl ein etwas anderer Begriff, nämlich der der Chancengerechtigkeit oder Chancengleichheit verwendet wird. Kein Linker und keine Sozialdemokratin würde je fordern, daß Menschen, die offensichtlich ungeeignet sind, aus Gerechtigkeitsgründen einen Beruf ergreifen sollten.
Am untypischen Beispiel des Pilotenberufs versucht Nuhr nun zu demonstrieren, weshalb nicht jeder Mensch alle Berufe ergreifen könne. Der Pilotenberuf gehört zu den wenigen Berufen, wo tatsächlich hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Körper, Geist und Sinnen gestellt wird. Damit ist dieser Beruf eher untypisch, zumal fast alle Berufe in der arbeitsteiligen Gesellschaft auch von den meisten Menschen ergriffen werden können.
Nuhr versucht zu begründen, weshalb eben nicht alle Menschen auch alle Berufe (insbesondere die hoch angesehenen) ergreifen könnten. Durch diese Aussage ignoriert Nuhr die Bedeutung des Bildung. Schließlich sind nur wenige Menschen wirklich „dumm“ oder „unfähig“ geboren. Die meisten können sich durch gute Erziehung und freie Bildung in sehr unterschiedliche Bereiche entwickeln.
Nuhr verwendet den Begriff der Gerechtigkeit hier sehr ungenau, da im Kontext von Bildungssystem und Berufswahl ein etwas anderer Begriff, nämlich der der Chancengerechtigkeit oder Chancengleichheit verwendet wird. Kein Linker und keine Sozialdemokratin würde je fordern, daß Menschen, die offensichtlich ungeeignet sind, aus Gerechtigkeitsgründen einen Beruf ergreifen sollten.
Am untypischen Beispiel des Pilotenberufs versucht Nuhr nun zu demonstrieren, weshalb nicht jeder Mensch alle Berufe ergreifen könne. Der Pilotenberuf gehört zu den wenigen Berufen, wo tatsächlich hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Körper, Geist und Sinnen gestellt wird. Damit ist dieser Beruf eher untypisch, zumal fast alle Berufe in der arbeitsteiligen Gesellschaft auch von den meisten Menschen ergriffen werden können.
Nuhr versucht zu begründen, weshalb eben nicht alle Menschen auch alle Berufe (insbesondere die hoch angesehenen) ergreifen könnten. Durch diese Aussage ignoriert Nuhr die Bedeutung des Bildung. Schließlich sind nur wenige Menschen wirklich „dumm“ oder „unfähig“ geboren. Die meisten können sich durch gute Erziehung und freie Bildung in sehr unterschiedliche Bereiche entwickeln.
Was mach ich mit einem Handy? Ja, das ist das Entscheidende, das ist das Quälende? Das ist das Problem in der Demokratie. In der DDR gab's keine Handys, nicht mal Klingeltöne – es war nicht alles schlecht. […]
Nuhr reitet in dieser Passage weiter auf der von ihm mal eben nebenbei ausgerufenen Ungleichheit der Menschen herum. Dieser natürlichen Ungleichheit werde eine gerechte Gesellschaft nicht gerecht: „Weil schnell dann genau so schnell wie langsam ist“. Es stellt sich die Frage, was Nuhr seinen Zuschauern damit sagen möchte. Vermutlich, daß eben nicht jeder „Leistungsträger“ der Gesellschaft sein könne (und sich bitteschön nicht so anstellen solle, wenn er oder sie am „unteren Ende“ der Gesellschaft stünde?).
„Zu fett, zu alt, zu doof“. Wer in diese Kategorien gehöre, habe auch keinen Anspruch auf „eine Sprintmedaille“ - diese „Medaille“ steht hier metaphorisch für die Auszeichnung individueller Leistung. Sie kann im Zusammenhang mit dem Thema sozio-gesellschaftlicher Chancengerechtigkeit etwa für einen Schul- oder Studienabschluß stehen. Etwa für ein Abitur, das halt die „Dummen“ nicht erreichen dürften oder für einen Universitäts-Master, den vielleicht nicht jeder Bachelor-Absolvent bekommen dürfe (zu doof? Zu alt? Zu fett?).
In der zweiten Hälfte dieser Passage holt Nuhr dann den Holzhammer heraus und wendet das Totschlagargument Kommunismus an. Durch die Aneinanderreihung der Themen soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit im ersten Teil der Passage und des Themas Kuba und Kommunismus im zweiten Teil, setzt er diese absurderweise quasi gleich. Noch unpassender ist die Quasi-Gleichstellung Oskar Lafontaines (Linkspartei, linker Sozialdemokrat) mit Kuba und der DDR (angestaubt Kommunistisch, totalitär), die in einem Satz genannt werden. Soll das heißen, daß in Kuba „die Doofen“ zu Universitätsprofessoren gemacht werden, die „zu alten“ zu Piloten und die „zu fetten“ zu Sprintweltmeistern? Und fordert Lafontaine dies etwa für Die Bundesrepublik Deutschland? Diese „Argumente“ gehen an allen realen, mit dem Thema Gerechtigkeit in Zusammenhang stehenden Aspekte vorbei. Nuhr hat offenbar überhaupt keinen Schimmer von den Themen der unserer Gesellschaft stattfindenden Diskussionen um soziale Gerechtigkeit und Chancengerechtigkeit.
„Zu fett, zu alt, zu doof“. Wer in diese Kategorien gehöre, habe auch keinen Anspruch auf „eine Sprintmedaille“ - diese „Medaille“ steht hier metaphorisch für die Auszeichnung individueller Leistung. Sie kann im Zusammenhang mit dem Thema sozio-gesellschaftlicher Chancengerechtigkeit etwa für einen Schul- oder Studienabschluß stehen. Etwa für ein Abitur, das halt die „Dummen“ nicht erreichen dürften oder für einen Universitäts-Master, den vielleicht nicht jeder Bachelor-Absolvent bekommen dürfe (zu doof? Zu alt? Zu fett?).
In der zweiten Hälfte dieser Passage holt Nuhr dann den Holzhammer heraus und wendet das Totschlagargument Kommunismus an. Durch die Aneinanderreihung der Themen soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit im ersten Teil der Passage und des Themas Kuba und Kommunismus im zweiten Teil, setzt er diese absurderweise quasi gleich. Noch unpassender ist die Quasi-Gleichstellung Oskar Lafontaines (Linkspartei, linker Sozialdemokrat) mit Kuba und der DDR (angestaubt Kommunistisch, totalitär), die in einem Satz genannt werden. Soll das heißen, daß in Kuba „die Doofen“ zu Universitätsprofessoren gemacht werden, die „zu alten“ zu Piloten und die „zu fetten“ zu Sprintweltmeistern? Und fordert Lafontaine dies etwa für Die Bundesrepublik Deutschland? Diese „Argumente“ gehen an allen realen, mit dem Thema Gerechtigkeit in Zusammenhang stehenden Aspekte vorbei. Nuhr hat offenbar überhaupt keinen Schimmer von den Themen der unserer Gesellschaft stattfindenden Diskussionen um soziale Gerechtigkeit und Chancengerechtigkeit.
Wir haben in sofern einen gesunden Ausgleich: Alle sind beleidigt.
Die „Besitzenden“ und die „Nicht-Besitzenden“ werden hier von Nuhr auf die selbe Stufe gestellt, indem er seinen Spott gleichmäßig auf beide Bevölkerungsgruppen verteilt. Die kritisch klingende Bemerkung „Wohnen und Essen“ teilt oberflächlich betrachtet auch in Richtung „der Reichen“ aus. Da es hierzulande jedoch kein Hungerproblem gibt, läuft diese Phrase ins Leere, womit auch dieser vermeintliche Hieb in Richtung der „Besitzenden“ (also der Reichen) wirkungslos bleibt. Der Ellbogenhieb gegen „die Armen“, die ihr „gesamtes Leben von der Gemeinschaft“ bezahlen ließen (und die Nuhr damit indirekt als Sozialschmarotzer bezeichnet), ist dahingegen sehr viel genauer gesetzt und soll die allgemeine Mehrheitsmeinung treffen, Hartz IV Empfänger und andere Menschen mit wenig Geld würden eine Mentalität schamloser Selbstbedienung und Faulheit an den Tag legen.
Um trotz der geäußerten „sozialen Kälte“ beim eigenen Publikum nicht in Ungnade zu fallen, dreht Nuhr gegen Ende etwas ab, indem er damit abschließt, die Existenz des Sozialstaats sei ja begrüßenswert1. Das zuvor Gesagte wird damit scheinbar relativiert, jedoch nicht aufgehoben und wirkt für sich weiter.
Um trotz der geäußerten „sozialen Kälte“ beim eigenen Publikum nicht in Ungnade zu fallen, dreht Nuhr gegen Ende etwas ab, indem er damit abschließt, die Existenz des Sozialstaats sei ja begrüßenswert1. Das zuvor Gesagte wird damit scheinbar relativiert, jedoch nicht aufgehoben und wirkt für sich weiter.
In diesem Abschnitt geht Nuhr auf die hohe politische Relevanz der sozialen Gerechtigkeit in der Bundesrepublik ein. Er macht sich über alle politischen Akteure lustig, da sie das Thema soziale Gerechtigkeit allesamt auf die politischen Agenda brächten, um anerkannt und gewählt zu werden.
Im Anschluß geht Nuhr erneut dazu über, den Begriff der [hier sozialen] Gerechtigkeit zu verhöhnen. Er behauptet, alle Statusgruppen der Gesellschaft hätten nur ihre jeweils eigene Interessen im Fokus. In dieser Aussage schwingt die Behauptung mit, soziale Gerechtigkeit sei in Wirklichkeit Egoismus. Diese Behauptung ist jedoch offensichtlich falsch. Der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit ist eher als Altruismus zu werten und schallt aus allen Gesellschaftsschichten, vor allem aus der finanziell recht gut abgesicherten Mittelschicht. Die vermeintliche Forderung nach Gerechtigkeit mit dem Ziel der eigenen Bereicherung gibt es auch nicht. Schließlich wird kein Bänker mit Hinweis auf die soziale Gerechtigkeit eine Steuersenkung für Vielverdiener fordern können!
Im Anschluß geht Nuhr erneut dazu über, den Begriff der [hier sozialen] Gerechtigkeit zu verhöhnen. Er behauptet, alle Statusgruppen der Gesellschaft hätten nur ihre jeweils eigene Interessen im Fokus. In dieser Aussage schwingt die Behauptung mit, soziale Gerechtigkeit sei in Wirklichkeit Egoismus. Diese Behauptung ist jedoch offensichtlich falsch. Der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit ist eher als Altruismus zu werten und schallt aus allen Gesellschaftsschichten, vor allem aus der finanziell recht gut abgesicherten Mittelschicht. Die vermeintliche Forderung nach Gerechtigkeit mit dem Ziel der eigenen Bereicherung gibt es auch nicht. Schließlich wird kein Bänker mit Hinweis auf die soziale Gerechtigkeit eine Steuersenkung für Vielverdiener fordern können!
Wir meinen:
Dieter Nuhr ist sowohl ein mittelmäßiger Spaßmacher, als auch ein wenig subtiler Meinungsmacher für eine Mischung aus neoliberaler Ideologie und unpolitischer Mehrheitsmeinung. Es muß leider grundsätzlich am Detailreichtum seines politischen Wissens gezweifelt und festgestellt werden, daß die Treffsicherheit seiner Anlalyseversuche äußerst gering ist. Nichtsdestotrotz vertritt er populäre, vom neoliberalen Zeitgeist beeinflußte Meinungen auf exemplarische Art und Weise und präsentiert diese mittels eines „humorvollen“ Auftretens in einem Ton anbiedernder Kumpelhaftigkeit.
Nuhrs politische Aussagen scheinen ein Stück weit beliebig und sind hochgradig opportunistisch. Er stellt zudem Behauptungen auf, die er nicht begründen kann. Eine derartige Verbreitung von Unkenntnis und Halbwissen trägt zur allgemeinen Verwirrung bei und bewirkt, daß wenig kritische Menschen in Nuhrs politischen Sinne manipuliert werden - vermutlich ohne es wirklich zu bemerken.
Dieter Nuhr ist sowohl ein mittelmäßiger Spaßmacher, als auch ein wenig subtiler Meinungsmacher für eine Mischung aus neoliberaler Ideologie und unpolitischer Mehrheitsmeinung. Es muß leider grundsätzlich am Detailreichtum seines politischen Wissens gezweifelt und festgestellt werden, daß die Treffsicherheit seiner Anlalyseversuche äußerst gering ist. Nichtsdestotrotz vertritt er populäre, vom neoliberalen Zeitgeist beeinflußte Meinungen auf exemplarische Art und Weise und präsentiert diese mittels eines „humorvollen“ Auftretens in einem Ton anbiedernder Kumpelhaftigkeit.
Nuhrs politische Aussagen scheinen ein Stück weit beliebig und sind hochgradig opportunistisch. Er stellt zudem Behauptungen auf, die er nicht begründen kann. Eine derartige Verbreitung von Unkenntnis und Halbwissen trägt zur allgemeinen Verwirrung bei und bewirkt, daß wenig kritische Menschen in Nuhrs politischen Sinne manipuliert werden - vermutlich ohne es wirklich zu bemerken.
1 Möglicherweise definiert sich Nuhr selber gar nicht als Neoliberaler, sondern als pragmatischer Sozialdemokrat nach dem Typus eines Gerhard Schröders, dem gar nicht bewußt zu sein scheint, daß die eigenen Forderungen der Kategorie 'neoliberal' zugeordnet werden können







Kommentare
aber Besitzende und Besitzlose - eine noch
kapitalistische re Sichtweise ist kaum denkbar.
Schämen Sie sich !
dann haben Sie den Artikl nicht verstanden. Wir kritisieren Herrn Nuhr ja eben genau deshalb, weil er eine antisoziale Ideologie vertritt und indirekt gegen den Sozialstaat und angebliche "Sozialschmarotz er" wettert.
"...verhöhnt Nuhr hier das Streben nach einer sozialen Gerechtigkeit und der Chancengleichhe it..."
ER ist unsozial, nicht wir. Ob wir nun 'unten' und 'oben' oder 'besitzend' oder 'besitzlos' sagen, ist nur ene Frage der Wortwahl und keine Frage des Inhalts.
Neoliberlayse.de
mfg
Michael Morawietz
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