Wir sind jung und wir machen uns Sorgen
über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
und unser berufliches Fortkommen.

Wir sind jung und wir machen uns Sorgen
denn später wollen wir uns ja auch einmal
etwas leisten können.
Momentan da geht´s ja noch weil unsere
Ansprüche noch niedrig sind.
Aber später wollen wir uns ja auch mal
was gönnen können.
Denn wir wissen wenn man sich erst einmal
an einen Lebensstandard gewöhnt hat
dann ist es schwierig später
wieder mit weniger auszukommen

Chor: Wir machen uns eben Sorgen
über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Und wenn jemand kommt
und unsere Situation verschlechtert
dann finden wir das nicht gut.
Und machen uns dann wieder Sorgen
über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Das ist alles so ungerecht denn wir haben
immer unsere Hausaufgaben gemacht
und alle Voraussetzungen erfüllt
uns sogar spezialisiert
das finden wir nicht gut.

Denn es ist wichtig sich auch mal
was leisten zu können
damit der Alltag der grau ist
dadurch ein bisschen abwechslungsreicher
gestaltet werden kann damit wir auch mal
die Seele baumeln lassen können
wenn das gefährdet ist
dann finden wir das nicht gut und sind enttäuscht

Chor: Wir sind jung und wir machen uns Sorgen
über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt


 

Peterlicht reproduziert in diesem Lied banal klingende Leitsätze von Karriere- und Wohlstandsstreben. Er nimmt hierbei die Perspektive junger, aufstrebender „Er­folgs­menschen“ ein, die sich primär Gedanken machen über Aufstieg und Beruf. Er beschreibt die Unzufriedenheit dieser Bevölkerungsgruppe: „Wenn jemand kommt und unsere Situation verschlechtert“ – damit könnte entweder die sich ver­meintlich inter­nationalisierende Konkurrenz der Arbeit­nehmer um begrenzte Arbeitsplätze gemeint sein, oder eine Steuer­erhöhung, die das Nettogehalt der Jungen, Erfolgreichen schmälert. Darauf folgt der Vorwurf, man habe zwar alle Be­dingungen, welche die neoliberale Ge­sell­schaft stelle, eins zu eins erfüllt, sei aber nichtsdestotrotz noch immer nicht ganz „oben“. In diesem Sinne wird hervorgehoben, worum sich alles drehen sollte: materielle Sicherheit und Konsum als Kompen­sation für ein unbefriedigendes (Erwerbs-)Leben. Der Alltag ist schließlich nicht deshalb trist („Alltag der grau ist“), weil man eine Arbeit verrichtet, die einem Freude bereitet, sondern deswegen, da man einer Tätigkeit nachgeht, nur weil sie Geld einbringt.
Als langfristiges Ziel wird die Entspannung und Erholung durch Freizeit genannt („damit wir auch mal die Seele baumeln lassen können“), was auf die Knappheit des Gutes Freizeit im dargestellten Milieu hindeutet. Ein Mensch, der bereits über aus­reichend Freiräume, Freizeit und Erholung verfügt, bräuchte dies nicht als Ziel zu definieren.
Die uninspirierte, banale Wortwahl wirkt eindimensional und ärmlich. Der Text ist eher Prosa als Gedicht oder Liedtext, was ein ironischer Seitenhieb auf die sich ewig wiederholenden und wenig kreativen neoliberalen Mantren sein dürfte. Diese finden sich in unserer Ge­sell­schaft insbesondere im Hinblick auf die Zielgruppe junger Men­schen auf allen Stufen des Bildungs­sys­tems wieder. Sie werden etwa in Studen­tenzeitungen wieder­ge­käut und sollen so zu einer Konditionierung auf Arbeits­markt, Karriere und Wohl­stands­streben führen.
Letztlich macht sich Peterlicht über die Wünsche und Ängste von Menschen mit bürgerlichen Lebens­auffassungen in einer konservativ-neoliberalen Ge­sell­schaft lustig. Durch die verwendeten Stilelemente soll darüber hinaus deutlich werden, was diesen Lebenszielen am meisten fehlt: ein Sinn.

 

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