Kurzanalyse eines Werbeplakats
Isha - Inner Engineering -
Technologies for wellbeing

Pseudo-Esoterik für Selbst- und Leistungsoptimierung 

 

 
20150417 002-kl

"A uniquely crafted course bringing the ancient wisdom of joga to the modern mind through pragmatic talks and potet practices.


2-3 May 2015, Berlin


Step 1 inner engineering online
7 Online classes for self-transformation and personal growth with Sadhuguru, yogi, mystic and visionary.
The Program provides tools for you to create your life the way you want it.
www.innerengineering.com

Step 2 Shambhavi Mahamudra program
Learn a powerful yoga practice to rejuvenate your system and optimize all aspects of health, clarity and success [...]

"As we have physical science to create external well-being there is a whole inner dimension of science to create inner well-being - I call it inner engineering."  SADHGURI[...]"

 

Was zu sehen ist

Dieses Plakat prangt an einer Großstadtkreuzung Berlins nahe einer Fußgängerampel. Es zeigt ein Bild von einem vermutlich indischen Mann mit weißem Rausche-Vollbart und Turban. Darunter steht eine Überschrift, ein erläuternder Text sowie Ort und Termin eines beworbenen Kurses. Der alte Mann soll vermutlich Weisheit und Lebenserfahrung vermitteln.
Nicht gesagt wird, daß dieser Kurs nicht aus reinem Altruismus und großer Menschenliebe angeboten wird, sondern daß es um Geschäft geht.
Wie auch die Internetseite mit einem Haufen von Merchandise-Produkten zeigt.


Warum ist das neoliberal?

Auf der Welle der Selbstoptimierung und der sogenannten "Investitionen ins Humankapital" reitet auch die Esoterikindustrie in ihrem Streben nach Umsatz und Gewinn. Gepaart mit pseudo-indischem Hokuspokus und sinnvoller asiatischer Bewegungslehre (Joga) kommt der Kurs zur ganzheitlichen Optimierung des Menschen daher:
Sowohl der Titel vom "Inner Engineering" als auch der Untertitel "Technologies for Wellbeing" zeigen das technokratische Weltbild, mit dem man an die Bewältigung von Problemen herangeht. Das Problem wird nicht explizit genannt, aber der Grund für die Existenz für derlei Kurse ist offensichtlich, daß Menschen entweder nicht glücklich genug sind, oder den Impuls verspüren, ihr Leben anders und besser zu gestalten. Meist aufgrund des enormen Leistungsdrucks in Beruf und Privatleben.

Besonders deutlich wird anhand dieses Plakats, wie durch die angestrebte Gesamtoptimierung des Lebens eine Übertragung von Effizienz- und Leistungsstreben des Wirtschaftssystem auf das eigene Leben stattfindet. Auch die eigene Persönlichkeit wird hier mittels eines pseudoesoterischen Überbaus einbezogen.


Wie das einzuordnen ist

Pseudoesoterische Gewinnmaximierer reiten hier offenbar auf der Welle von Selbstoptimierung in unserer neoliberalen Leistungsgesellschaft.
Dies ist im Zuge eines Zeitgeists wenig verwunderlich, in dem Arbeit, Bildung und Leben nur noch im Sinne funktionalistischer und sinnentleerter Planerfüllung gedacht und ausgestaltet werden.
Der Mensch ist aber keine Maschine und sehnt sich nach Irrationalität, Spiritualität und individueller Wahrheit. Und genau an dieser Stelle tut sich in der anti-humanistischen Leistungsgesellschaft eine klaffende Lücke auf, die von Rattenfängern wie den hier dargestellten für ein gutes Geschäft ausgenutzt wird.

 

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