Fitness und Freizeitgestaltung für die Arbeit
FIT FOR WORK oder "Kraft durch Sport"

Der Körper im Dienste neoliberaler Leistungserbringung

 




GESUNDE MITARBEITER, FITTE MITARBEITER, MOTIVIERTE MITARBEITER!

Wusstest du, dass bereits wenige Stunden Sport in der Woche zu Stressabbau führen und dein Wohlbefinden und deine Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag steigern? Werde ein Teil der Fit for Work-Community und nutze die vielen Vorteile, wie bereits mehr als 60.000 Mitarbeiter aus über 1.200 Unternehmen.

 

„Fit for Work!“ ist das PR-Motto des Fitness-Centers FitnessFirst. Der Werbeslogan für das hier gezeigte Produkt lautet „Gesunde Mitarbeiter, fitte Mitarbeiter, motivierte Mitarbeiter“.
Es handelt sich um Angebot für Arbeitnehmer, deren Unternehmen in denen sie arbeiten, eine Subvention für sportliche Betätigung leisten.Als neoliberal kann diese Anzeige bezeichnet werden, da hier der Bereich der Freizeitgestaltung der Menschen zum Zweck höherer Leistungserbringung im Job instrumentalisiert wird. Es geht nicht um die Menschen, ihre privaten Wünsche, Interessen und Entwicklungsbedürfnisse sondern um das Erfolgs- und Profitstreben des Arbeitgebers.

Der Umstand, daß der Sport für das „Wohlbefinden“ und den „Stressabbau“ essentiell sein soll, sagt nichts Gutes über unsere Gesellschaft aus, in der Menschen von ständiger Streßüberlastung krank werden und auch sonst im Job offenbar häufig wenig Wohlbefinden verspüren.
Der Sport soll nun dazu beitragen die Symptome zu überspielen, die das häufig sinnlos, qualvolle Arbeitsleben mit sich bringt.

Dies alles paßt zur Werbung für ein Rücken-Training aus dem Jahr 2012:

 



Ein starker Körper leistet mehr
Gesundheitsorientiertes Krafttraining stärkt Körper und Geist […]
gibt Energie für Studium,Beruf und Sport […]

Studierende, Azubis und Schüler – günstige Konditionen

 

Auch die Firma KIESER schlägt in die selbe Kerbe. Man möchte offenbar leistungsorientierte Menschen ansprechen, die sich über Kategorien wie „Leistung“ definieren. Leistung wird hier im Sinne von Leistung im Job, in Studium oder Schule verstanden, wie der Verweis zeigt. Erschreckend ist, daß man nicht davor zurückschreckt, schon Kinder in dieses System der Leistungsgesellschaft hineinzuzwingen. Damit fördert man zum einen die Unterordnung unter miese Arbeits- und Lebensbedingungen und zum anderen indirekt eine Ellenbogenmentalität: Denn wer sich über Leistung definiert, wird diese in der Regel im Vergleich zur Leistung der anderen sehen.

Noch radikaler wird der Leistungszwang auf dem folgenden S-Bahn Plakat aus Hamburg propagiert:

 



Schauspiel Tanz Gesang – Erweitern Sie die Ausdruckskraft Ihres Kindes! [...]
ERWEITERTES ANGEBOT für Kinder ab 4 Jahre [...]

STAGECOACH
Schulen für die darstellenden Künste

 

Es handelt sich bei diesem Plakat um ein Angebot der Firma STAGECOACH. Eltern, die mit ihren Kindern hoch hinaus wollen, werden hier angesprochen („erweitern Sie die Ausdruckskraft Ihres Kindes“). Sie sollen ihre Kinder bereits früh, nämlich ab 4 Jahren, in dieser privaten Bildungseinrichtung im Bereich Schauspiel, Tanz oder Gesang schulen lassen. Auch wenn dies nicht explizit gesagt wird, ist davon auszugehen, daß es primär um die bessere Positionierung der Kinder in der Gesellschafts-Hierarchie geht. Sie sollen sich neben der regulären Bildung auf professionellem Niveau sogenannte Softskills aneignen um im Wettbewerb mit anderen Kindern besser bestehen zu können.

FAZIT: Alle drei beschriebenen Plakate bewerben die Nutzbarmachung der Freizeit für das Arbeitsleben und für das Aufstiegsbestreben in unserer neoliberalen Leistungsgesellschaft. Anstatt zu überlegen, was falsch läuft, wenn ein jeder und eine jede in einen solchen Wettbewerb mit den Mitmenschen eintreten und versuchen muß, sich bestmöglich an die Bedingungen von Ausbeutung und mangelnder Freizeit anzupassen. Diese Entwicklung steht heute nur am Anfang; es ist nicht auszudenken, was für eine unmenschliche Lebensqualität bleibt, wenn die Entwicklung zu immer mehr Arbeit, einer ständig wachsenden Lohnspreizung und zunehmend viel Streß in Beruf und Bildung weitergeht.
Die Menschen täten gut daran, sich radikal gegen die Ausbeutungsverhältnisse zu wehren, anstatt sich wegzuducken und an dieses „Schweinesystem“ anzupassen.

 

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