Pseudojournalistischer Artikel aus dem Magazin "EatSmarter" Nr. 2/2014
Siemens und "EatSmarter" Cooking-Cup
Leistungs- und Elitenfixierung in der Freizeit

 



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SIEMENS + EatSmarter! Präsentieren Cooking Cup 

FINALE IN DUBAI - Beim Finale vom Cooking Cup ging es am Herd heiß her: Fünf Teams traten am Strand von Dubai im großen Kochduell gegeneinander an.  
MIT UNTERSTÜTZUNG VON [Sechs Logos von Privatunternehmen] 

Tipps für Ihre Reise nach Dubai 

BESTE REISEZEIT Oktober bis April, die Temperaturen liegen in dem Zeitraum zwischen 25 und 35 Grad Celsius.
HINKOMMEN Modernste Flugzeuge, toller Service an Bord: Emirates bietet von vielen deutschen Flughäfen aus Nonstop-Flüge nach Dubai an. www.emirates.com
ÜBERNACHTEN Vom luxuriösen Strandhotel bis zum berühmten „Burj AI Arab“: Die „Jumeirah"-Gruppe betreibt in Dubai gleich mehrere traumhafte Hotels und Resorts, www.jumeirah.cam/de 
FREIZEIT Die Profis von 24Degrees planen eine individuell auf Sie zugeschnittene Dubai-Reise mit vielen Highlights vor Ort. www.24degrees.com

 

Eatsmarter ist einer Zeitschrift rund um essen und „Lifestyle“, bei der man sich offenbar wenig um journalistische Standards schert. Die positive Nennung vieler Privatunternehmen zu Anfang des Textes nebst Firmenlogos zeigt, daß dieser Artikel eher eine Anzeige für den Industrie- und Konsumgüterhersteller Siemens, die Fluggesellschaft Emirates, die Tourismusindustrie Dubais („Jumeirah-Gruppe“, 24Degrees) sowie für die weiteren Sponsoren des beschriebenen Events darstellt.

 

Was machen zehn kochverrückte Deutsche in Dubai?
Ganz einfach: EAT SMARTER und SIEMENS haben beim Cooking Cup 2013 wieder die besten Hobbyköche des Landes gesucht! Und dieses Mal fand das Finale passend zum Motto „Oriental Cuisine“ am persischen Golf statt. Aufgeregt waren die zehn Kandidaten, als sie in den Flieger stiegen. Kein Wunder: Sie hatten sich ihr Ticket fürs Finale hart erkämpft. Sich gegen unzählige Mitbewerber durchgesetzt, die deutschlandweiten Regionalausseheidungen in den Siemens lifeKochschulen für ich entschieden und sich beim Halbfinale im September am Chiemsee schließlich ihre Tickets für die Finalreise nach Dubai gesichert.

 

In diesem Absatz wird der extreme Wettbewerbscharakter beschrieben, der diesem vermeintlich so entspannten und friedlichen Ereignis zugrunde liegt. In mehreren Selektionsstufen wurde eine kleine „Elite“ von Amateurköchen herausgefiltert, die einen „Platz an der Sonne“ erhalten haben. Ganz typisch für eine neoliberale Leistungsgesellschaft: Viele bemühen sich, wenige werden zur Elite ernannt und kommen in den Genuß besonderer Privilegien.

 

Groß, größer, Dubai
Im Dezember landeten sie nach rund sieben Stunden Flug in einer anderen Welt: Dubai ist eine Stadt der Superlative. Mit dem „Burj Khalifa“ steht hier das höchste Gebäude der Welt, das „Burj AI Arab" ist eines der luxuriösesten Hotels überhaupt. Die Liste ließe sieh endlos fortführen. Höher, größer, weiter – so lautet hier das Motto. Deshalb ging es für die Kandidaten auch direkt auf eine spannende Entdeckungsreise quer durch die Stadt: Auf dem Gewürzsouk tauchten sie ein in eine duftende Welt ans Weihrauch, Pfeffer und Kardamom. Auf dem Goldsouk wurde der größte Ring der Welt bestaunt auf dem Obst- und Gemüsemarkt, die bunte Lebensmittelvielfalt.   Dubai ist ein echtes Paradies für Feinschmecker. Das gastronomische Angebot ist vielfältig,  in vielen Restaurants kochen internationale Topköche auf höchstem Niveau. Unsere Cooking Cup Helden konnten sich bei Essen im „Al Nafoorah“, „Alta Badia“, im „Shimmers", „Nomad“ und bei einem Wüsten-Barbecue selbst von der Einzigartigkeit der orientalischen Küche überzeugen. Außerdem durften sie bei einem Kochkurs im vegetarischen Restaurant „Magnolia“ Gabriele Kurz, Chefköchin der Luxushotelgruppe „Jameirah", über die Schulter blicken und trafen sich zum Kulturmittagessen im Sheikh Mohammed Center for Cultural Understanding (SMCCU) zum Gespräch mit einem Repräsentanten von Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum.

 

Die Superlative und das Wachstum sind zentrale Mantren der Neoliberalen. Sie kommen natürlich auch in diesem Text vor („höchste Gebäude der Welt“, „eines der luxuriösesten Hotels überhaupt“, „größte Ring der Welt“, „Paradies für Feinschmecker“, „Topköche auf höchstem Niveau“, „Chefköchin“, „Luxushotelgruppe“).
Diese Anhäufung von Superlativen wirkt schon peinlich, so offensichtlich ist das verkrampfte Bemühen darum, Exzellenz zu betonen. Quasi als Gegengewicht zu diesen harten Superlativen wird die Vielfalt gestellt. Diese soll das ganze Getöse etwas relativieren und zeigen, daß das Land auch kleine, feine Seiten hat. Der große Hohn ist etwa die Nennung des „Muhammed Center for Cultural Understanding“. Dubai ist eine religiöse Autokratie in der es kulturelle und Spirituelle Freiheit nur für drei Gruppen gibt: Touristen, Wirtschaftsleute und Scheichs. Der Rest der Bevölkerung wird unterdrückt, bevormundet und mit Hilfe von Gewalt klein gehalten - oder vegetiert unter unmenschlicher Ausbeutung auf Baustellen dahin.
Wenig verwunderlich bleiben diese Zustände in dieser nicht-journalistischen Lobeshymne unerwähnt.

 

An die Töpfe, fertig, los! 
Am Abend vor dem Finale wurde es dann ernst […]. Beim CookingCup Finale am Strand des Restaurants „Shimmers“, direkt vor dem „Burj Al Arab“, mussten alle fünf Zweierteams ein letztes Mal zeigen was sie können. Die Outdoorküchen wurden extra von Siemens am Strand aufgebaut und bei knapp 30 Grad wurde gekocht, was das Zeug hält. Minen Pokal hätten am Ende alle verdient - denn wie im Jahr zuvor lieferten die Teilnehmer sich ein Duell nicht nur auf Augenhöhe, sondern auch auf sehr hohem Niveau. Schließlich kochte sich das Team Annette Ley und Andrea Fricke mit ihrem Gelbschwanz-Barsch in Pistazien-Sumach-Kruste und den Garnelen an Kardamom- Orangen-Dressing ganz oben aufs Siegerpodest. Platz 2 ging an […]. 
Erschöpft aber glücklich ging es am nächsten Tag zurück nach Deutschland. Und im Flugzeug. so wird gemunkelt, überlegten einige Kandidaten bereits, mit welchem Rezept sie sich 2014 bewerben könnten...[...]

 

Dieser Absatz unterstreicht erneut, wie sich Hobbyköche in ihrer Freizeit in eine Wettbewerbs- und Konkurrenzsituation einfügen. Sie übertragen damit die Regeln ihres Arbeitslebens und der Leistungsgesellschaft auch auf ihre Privatleben. Außerdem zeigt diese Passage, wie surreal die elitären Lebenswelten sind. Da wird irgendwo in der Wüste mit Öl- und Spekulationsgeld eine künstliche Welt geschaffen, in der sich die kleinen gesellschaftlichen Eliten einer neoliberalen Welt amüsieren und für die aus aller Welt Luxusgüter und -lebensmittel eingeflogen werden.
Aber auch „Normalbürger“ mit eher durchschnittlichen Gehältern dürfen mitspielen, sofern sie sich den Regeln des Freizeitwettbewerbs unterwerfen. Dann aber natürlich nicht alle, sondern nur eine kleine Selektion derjenigen, die sich in Deutschland in der Vorausscheidung durchsetzen konnten.
Am Ende wird natürlich auch noch mal verkündet, daß derlei Events glücklich machten. Offenbar aber nicht lange, geht doch bereits auf dem Rückflug die Vorbereitung für den Freizeitwettbewerb im folgenden Jahr los. Es darf nicht rasten und ruhen, wer zu den oberen Zehntausend gehören möchte.

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