Zur Stadt-Marketing Kampagne in Hamburg
Ein Lächeln für Hamburg
Aber haben denn alle HamburgerInnen etwas zu lachen?

 

 

ein laecheln fuer hamburg 20100909 1597190509Um das Jahr 2002 herum hob die hamburger CDU-Regierung in Hamburg eine Imagekampagne mit dem Namen "Ein  Lächeln für Hamburg" aus der Taufe.

Ziele dieser Kampagne war die Verbesserung des Hamburg-Images im Hinblick auf Gastfreundlichkeit und Kundenorientierung und damit die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Schließlich müsse man sich im "Globalen Wettbewerb" als Investorenfreundlich präsentieren. Darüber hinaus sollte die Attraktivität Hamburgs für Touristen aus dem in- und Ausland erhöht werden.
Maßgebliche Träger der Kampagne waren die staatlichen Unternehmen und Behörden der Stadt.

Drei Mantren sind verbunden mit der Teilnahmen von Hamburger Unternehmen bei "ein Lächeln für Hamburg":


1. Mein Unternehmen wird Hamburgs Ruf als attraktive, internationale Dienstleistungsmetropole weiter stärken.

2. Mein Unternehmen und seine Mitarbeiter legen besonderen Wert auf eine servicefreundliche Ansprache des Kunden. So wird der Erfolg des Unternehmens sowie das Ansehen der Stadt Hamburg gefördert.

3. Mein Unterneh men setzt sich für folgende Ziele ein:

  • Freundlichkeit und Servicebereitschaft gegenüber allen Kunden und Gästen.
  • Sauberes Erscheinungsbild meines Betriebes und des Umfeldes
  • Mehrsprachigkeit
  • Kenntnisse des touristischen Angebots der Stadt


Wer mit seiner Firma an der Kampagne teilnehmen möchte, erhält unter www.ein-laecheln-fuer-hamburg.de 1

Warum ist das neoliberal?


Lächeln ist ein Gesichtsausdruck, der meistens dann entsteht, wenn Menschen sich freuen oder etwas witzig finden. Die Geste dient häufig auch der Kontaktaufnahme. Die Mimik entsteht, indem die Mundwinkel nach hinten gezogen und die Augen etwas geschlossen werden.
Lächeln ist etwas natürliches und kulturunabhängiges. In fernöstlichen Kulturen, wie etwa in der japanischen, lächelt man sehr häufig aus Höflichkeit, wohingegen man in Nordeuropa eher dazu neigt, nur in Situationen zu lächeln, wenn man einen konkreten Anlaß wie Freude, Humoristisches oder Kontaktaufnahme hat.
Dieses kulturell bedingte Verhältnis zum Lächeln, wird seit den 90er Jahren von Privatunternehmen versucht zu verändern und in höherem Maße die "Lächelgewohnheiten" anderer, etwa angelsächsischer, oder fernöstlicher Kulturkreise durchzusetzen. So gibt es vor allem im Dienstleistungsbereich häufig eine vom Arbeitgeber verordnete Lächelpflicht für die Angestellten.
Dieses Lächeln fällt dann in die Kategorie falsches oder aufgesetztes Lächeln.

"Die Stadt Hamburg veranstaltet z.B. die Aktion Ein Lächeln für Hamburg, mit der Arbeitnehmer zu einem Lächeln, mit dem Kunden und Gäste viel öfter verwöhnt werden sollen, motiviert werden sollen.
Der Emotionsforscher Prof. Dieter Zapf untersuchte 2006 die Folgen von beruflich verordnetem Dauerlächeln. Er stellte dabei fest, dass zwangsweises Lächeln, bei dem man seine tatsächlichen Emotionen unterdrücke, kurzfristig zu Kreislaufveränderungen, und auf die Dauer zu Stress und Krankheiten wie Depressionen, führe.[1]
Es gibt ferner die Ausdrucksarten "falsches (vorgetäuschtes) Lächeln" (z.B. höhnisches Lächeln) und das "müde Lächeln" (eine Reaktion auf eine nicht humoreske Äußerung)."

 

 


Hamburger Abendblatt - neolib-pfeil72

Kein Witz - so lernen
Hamburger lachen

 

Neoliberalyse pfeil-antineolib72
Wieso sollen sich die HamburgerInnen verstellen?

 


Übungssache: Ein Trainer zeigt nach indischem Vorbild, wie man auf Kommando lachen kann, bis die Tränen kommen. Und Sonntag ist Weltlachtag . . .

 

1.) Hamburger können also nicht lachen? Das ist mir neu.

2.) Fragt sich nur, wozu man lachen soll? Es gibt Leute, die lachen viel und welche, die lachen nicht so viel. Wo ist das Problem?

Hamburg. Mittwochabend, 18.30 Uhr - Zeit fürs Training. Ingeborg Krause (75) schlüpft in die Turnschuhe, zupft das T-Shirt zurecht, packt das Mineralwasser aus und legt los. Der Puls schnellt in die Höhe, die Mundwinkel zucken und der Mund weitet sich - weitet sich, bis ihm ein tiefes Glucksen und Gackern entfährt. Ingeborg Krause lacht. Lacht, bis ihr die Tränen kommen. Bis sie nach Luft schnappt und sich stöhnend den Bauch hält. Wie jedes Mal beim Lachtraining.

Lachen als Sport und gar nicht weil's lustig ist. Das erscheint doch mehr als nur ein Bißchen befremdlich.
Die Stühle im Gemeindesaal der Heilandskirche auf der Uhlenhorst sind an die Wände gerückt, die Fenster weit geöffnet. Wer lacht, braucht Raum und viel Luft. Lachguru Robert Butt aus Hamburg hat eine kleine Gemeinde von Lachsüchtigen um sich versammelt. Ganz normale Leute: Eine Floristin aus Winterhude ist unter den 15 Schülern, eine Bürokauffrau aus Wenttorf, ein Lehrer aus Bergstedt und eine Studentin aus Buxtehude. Sie warten auf das Kommando, den Startschuss zum Lachen.

Das Kommando zum lachen kommt also auf politisch/administrativer Ebene - also der Stadt Hamburg - und wird dann im Kleinen - etwa in Vereinen umgesetzt. "Lachen auf Kommando", "Startschuß zum Lachen".
Lachen auf Knopfdruck? "Das kann man lernen", sagt Robert Butt. 1000 Menschen hat er in den vergangenen zweieinhalb Jahren das Lachen gelehrt. Wie? "Mit psychologischen Tricks und Rollenspielen wird künstliche Heiterkeit erzeugt, die irgendwann in echtes Gelächter umschlägt", sagt der 49-Jährige. Das Motto: Fake it till you make it! (Erschwindele es, bis es echt ist!) [...]

Lachen auf Knopfdruck? Wie der "Lachtrainer" schon sagt - künstliche Heiterkeit, die dann angeblich in echte Heiterkeit umschlägt.

"Fake it till you make it" - das hieße dann wohl, daß das Lächeln der Stewardess im Flugzeug auch echt ist. Wir lachen alle herzlich.

Mittwochabend ist das anders. In Robert Butts Lachtreff werden die Großen wieder klein. Sie lachen in dieser kurzen Zeit so viel wie sonst in der ganzen Woche nicht. So viel, dass das Glücksgefühl bis zum nächsten Mittwoch reicht. Egal, ob echtes oder künstliches Lachen - die Auswirkungen auf den Körper sind immer die gleichen. "Die Freudezentren im Gehirn geben bei jeder Form des Lachens die Botschaft weiter, Endorphine tanzen zu lassen", sagt Butt.

Glücksgefühle vom künstlichen Lachen? Das halten wir für ein Gerücht! Es ist hoch fragwürdig, in wiefern das Sinnvoll ist. Menschen die künstlich lachen müssen sich verstellen.
Der gebürtige Engländer ist bei Lachguru Kataria in die Lehre gegangen, hat erlebt, wie Hunderte Inder bei Sonnenaufgang gemeinsam lachen. Von diesen Dimensionen ist man in Deutschland noch weit entfernt. Obwohl sich die Lachbewegung von Indien in die ganze Welt ausbreitete, ist die Lachgemeinde hierzulande noch klein. Lach-Pioniere wie Butt setzen alles daran, das zu ändern: mit wöchentlichen Lachtreffs, monatlichen Lachseminaren und sogar Schulungen bei Meister Kataria höchstselbst.

Es ist natürlich ein Skandal, daß man in Deutschland "noch nicht" soweit ist, bei Sonnenaufgang kollektive Lachrituale zu vollziehen.
Die Arbeit im Dienste der guten Laune trägt erste Früchte. Kamen zu Robert Butts erstem Lachtreff nur drei Neugierige, sind es heute regelmäßig 15. Und sie sind nicht allein. In rund 40 deutschen Lachclubs treffen sich Menschen regelmäßig zum kollektiven Kichern. Menschen, die Alltagssorgen vergessen und den Stress einfach weglachen wollen. So wie Beate Biermann (33) aus Wentorf, die vor einem Jahr im Radio von Lachyoga gehört hat und sofort mit eingestiegen ist - trotz anfänglicher Zweifel. "Beim ersten Mal kam ich mir schon blöd vor", sagt die Bürokauffrau [...].

Gute Laune soll also nicht aufgrund eines erfüllten Lebens entstehen, sondern es sollen mit der "Lachtherapie" die Symptome eines gestreßten und sorgenvollen Lebens verdrängt werden.
Jetzt steht auch ihr der Höhepunkt im Leben eines Lachschülers bevor: der Welt-Lachtag am kommenden Sonntag. Dann versammeln sich rund um den Erdball Zehntausende zum kollektiven Wiehern. Robert Butt wagt sich mit seinen Anhängern mitten in die City. Auf dem Rathausmarkt (13 bis 15 Uhr) will er zeigen, dass es 1000 Gründe zum Lachen gibt. Dafür fährt er das ganze Instrumentarium auf: vom Löwen-Lachen über das Milchshake-Lachen bis zum Ein-Meter-Lachen. Was das ist? Hingehen, mitlachen und sich über die wunderbare Wirkung freuen. Denn Lachen macht glücklich und ist gesund. Das hat die Lachforschung, die so genannte Gelotologie (Griechisch: gelos = lachen), längst nachgewiesen: Das Immunsystem wird gestärkt, der Blutdruck gesenkt, Cholesterin abgebaut und Schlaflosigkeit bekämpft.

"Er will zeigen, daß es 1000 Gründe zum lachen gibt" ... "denn lachen macht glücklich und gesund"

- Was sollen uns diese Sätze sagen? Der Grund für die Gesundheit sind also nicht die 1000 Gründe, sondern das Lachen selber. Das klingt nicht ganz logisch.

Unser Tip: Lachen ist super. Über Inhalte lachen ist super. Über das Leben, über die Welt...

Aber lachen soll kein Selbstzweck sein, um sich ein Glück einzureden, das gar nicht vorhanden ist. Wer nichts zu lachen hat, soll gefälligst dazu beitragen, daß sich die Umstände der eigenen Existenz verbessern und soll keine sinnlose Symtombekämpfung betreiben.

Eine Nebenwirkung gibt es allerdings: Lachfalten!

Lustig, nicht?

Quelle:
www.abendblatt.de/hamburg/article249677/Kein-Witz-so-lernen-Hamburger-lachen.html

Hanna Kastendieck, Miriam Opresnik 29. April 2004

   

 

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