Im Folgenden sollen Beispielhaft wesentliche Lebens- und Gesellschaftsbereiche aufgeführt werden, die von der Ökonomisierung besonders negativ betroffen sind und aus denen die Prinzipien der Wirtschaft verbannt - oder zumindest zurückgedrängt - werden müssen, will man eine lebenswerte Gesellschaft schaffen, in der sich alle Menschen entsprechend ihrer Wünsche und Fähigkeiten in ihrem Charakter frei entfalten können.

 

1. Bildung – Schulen, Universitäten, Forschung

Die Ökonomisierung des Bildungssystems schränkt die freie Entfaltung der Persönlichkeit ein und fördert eine kulturose, technokratische Wissensvermittlung für den Beruf. Zudem sorgt eine Ökonomisierung dieses Gesellschaftsbereichs für eine stärkere soziale Auslese und verletzt damit die Menschenrechte eines großen Teils der Bevölkerung, die der Möglichkeit von höherer Bildung beraubt wird. Daneben erhöht sich der Leistungsdruck, wodurch Menschen gehindert an einem gesunden, ausgegleichenen Leben gehindert werden.


2. Wasserversorgung/
Wasserwerke
Eine Liberalisierung bzw. Privatisierung der Wasserversorgung  bewirkt, daß wirtschaftliche Effizienz in Konkurrenz zur Qualität tritt. Die Versorgung mit Wasser muß aber für die gesamte Bevölkerung ohne Einschränkungen in höchster Qualität verfügbar sein. Und zwar unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Einzelnen. Sauberes Wasser ist eine zentrale Grundlage des menschlichen Lebens - damit ist die Versorgung mit diesem Gut ein Menschenrecht.

3. Infrastruktur Infrastruktur muß als öffentliches Gut für alle Menschen der Gesellschaft gleichermaßen zugänglich sein, damit alle die selben Voraussetzungen haben, an gesellschaftlichen Aktivitäten partizipieren zu können. Durch die Umverteilung im Steuersystem wird dies möglich gemacht. Wäre dem nicht so, wären ärmere Menschen in ihrer Mobilität stark eingeschränkt, was negative berufliche und private Auswirkungen hätte.

4. Polizei / Justiz / Gefängnisse

Die Justiz sollte staatlich organisiert und finanziert sein, da Resozialisierung in den Gefängnissen im Vordergrund stehen muß und nicht die reine Effizienz. Zudem dürfen das Gewaltmonopol des Staates und die Gewaltenteilung nicht angetastet werden. Eine Vermischung mit ökonomischen Interessen verwässert an dieser Stelle das Prinzip der Gewaltenteilung und birgt Gefahren, weil privatwirtschaftliche Unternehmen keiner demokratischen Kontrolle unterworfen sind.


5. Zwischenmenschliche Beziehungen

Die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen anhand ökonomischer Prinzipien ist fatal, da in diesem Falle an die Stelle von Menschlichkeit und Empathie egoistisches Nutzenkalkül tritt. Wer zwischenmenschliche Beziehungen nach Effektivität mißt oder ökonomische Maßstäbe anlegt, beseitigt nicht nur die Grundlagen für ein soziales und friedliches Miteinander - sondern tötet auch die Menschlichkeit in sich selbst.


6. Der menschliche Körper

Die Übertragung ökonomischer Prinzipien auf den Körper des Menschen mit seiner begrenzten Belastungsfähigkeit, ist schädlich für die Gesundheit und die Lebenserwartung. Hohe Leistungsanforderungen und Überforderung in Beruf, Bildung und Freizeit führen nachweislich zu körperlichen (und psychischen) Krankheiten. Hierzu zählen auf der rein körperlichen Seite etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder langfristig Krebs. Auf der psychischen Seite zählen dazu vor allem das Burnout-Syndrom, aber auch zahlreiche andere Erkrankungen. Natürlich ist auch der Konsum leistungssteigernder Drogen bzw. der vollkommen überhöhte Konsum koffeinhaltiger Produkte gesundheitsschädlich. Menschen, die Selftracking und Lifelogging betreiben oder exzessiv Sport betreiben, schaden in der Regel auch ihrer Gesundheit, insbesondere dann, wenn sie zwecks Effizienzsteigerungen mit ihren Schlafzyklen experimentieren.


7. Der Umgang mit Tieren Die Bewertung von Tieren nach rein wirtschaftlichen Maßstäben führt dazu, daß Tiere wie Investitionsgüter - inhuman und brutal - behandelt werden, obwohl sie fühlende Wesen sind.
Dies bedeutet etwa eine nicht artgerechte Haltung, das Schlachten nur wenige Wochen oder Monaten nach der Geburt und - insgesamt vollkommen unwürdige Haltebedingungen. Zudem werden im Zuge der totalen Ökonomisierung der Tierzucht Gen-Sequenzen (nicht nur von Tieren) patentiert – mit unabsehbaren juristischen und biologischen Folgen.
Die Würde von fühlenden Lebewesen steht im diametralen Widerspruch zum Wirtschaftlichkeitsdenken.

8. Kultur

Die weitgehende Durchsetzung ökonomischer Prinzipien in der Kultur führt zu einer Monopolisierung. Vor allem populäre „Mainstream-Kultur“ wie Hollywood-Filme oder Musicals profitieren. Und zwar zum Nachteil von Sub- und Alternativkultur, kleiner Theater usw.
Auch ist produktmäßig vermarktete Populärkultur in der Regel nicht aufklärerisch, bringt die Menschen also weder emotional, kulturell oder intellektuell neue Einsichten. Kommerzkultur reproduziert darüber hinaus in der Regel Klischees und trägt somit zu einer gesellschaftlichen Stagnation bei.


9. Gesundheitssystem

Die Durchökonomisierung des Gesundheitssystems schadet am Ende vor allem den Patienten und den Angstellten des Sektors. Wenn jede Tätigkeit minutengenau abgerechnet wird, bleibt kaum Zeit für Zwischenmenschliches, was aber für den Heilungsprozeß und für ein positives Miteinander erforderlich ist. Die Privatisierung von Krankenhäusern führt zu mehr Druck unter den Angstellten und zu einer schlechteren medizinischen Versorgung - schließlich müssen staatliche Krankenhäuser keinen Gewinn machen, Private hingegen sind nicht der Gesellschaft insgesamt verpflichtet, sondern primär ihren Aktionären und Anteilseignern, die Profite machen möchten.


 10. Die Natur

Der Genuß von öffentlichen Gütern wie der Natur (Anblick und Begehen von Landschaft und Gewässern) muß für alle Menschen gleichermaßen und unentgeldlich zur Verfügung stehen. Es handelt sich um ein Menschenrecht, das nicht durch soziale Ungleichheiten eingeschränkt werden darf.

 

 

Diese zehn Beispiele zeigen auf, wie weit der Neoliberalismus und mit ihm ökonomische Prinzipien bereits in alle erdenklichen Lebensbereiche vorgedrungen ist. Es gilt, diesen Neoliberalismus zu überwinden, der den Menschen der Wirtschaft unterordnet, die Freiheit dem Wettbewerb, den Lohn der Arbeitnehmer der Rendite der Aktionäre und die Interessen der Bevölkerungsmehrheit einer kleinen Elite. Daher dürfen diese zehn Gesellschaftsbereiche auch nicht dem ökonomischen Denken unterworfen werden!


Konkrete politische Maßnahmen, mit denen diese Ziele zu erreichen sind, finden sich in:

 Buch-vorne-500

Neoliberalyse -
Über die Ökonomisierung unseres Alltags


Verlag: Mandelbaum Verlag, Wien 2014.
Autor Christopher Stark
ISBN Nr. 9783854766353.



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  • Gast - dunderklumpen

    Hatten wir alles schon! Zehn Gebote und so...
    Blöd ist nur, daß das elfte Gebot auf dem Weg zu den Jüngern verloren gegangen ist:
    '11. Dein Leben ist Dir nur gelieh'n, Du sollst daraus nicht Vorteil zieh'n.
    Solange man (oder Frau) auf den persönlichen Vorteil aus ist und man dazu DARWINs Gesetz freien Lauf läßt, akkumuliert sich nunmal das Böse...
    Gut, die Konsequenzen daraus gefallen nun nicht jedem. Wer nun versucht, sich neutral zu verhalten, wird ohnehin unweigerlich zwischen den Fronten zerrieben werden...
    Und überhaupt ist das totaler Quatsch: Z. B. Das sechste Gebot: Der menschliche Körper soll nicht ökonomischen Zwängen unterworfen werden. Ja was denn sonst? Gemäß dem Motto: 'Freiheit für jedermann! Jeder prostituiert sich s o gut er kann': Einer muß eben lediglich seine Niere verkaufen, der Andere lediglich sein Maul oder sein Gehirn vermieten. Wo ist das Problem? Nebenwirkungen? Nun gut, man (frau) hat nur zwei Nieren., was einen natürlich schon einschränkt wegen der begrenzten Reproduktion. Deshalb ist es auch wesentlich effektiver anderer Leute Eigentum zu verhökern. Leiharbeitsfirmen wissen am Besten, wie das geht.
    So wie ich das sehe, werden wir wohl den Homo sapiens oekonomicus ausrotten müssen, bevor der Homo sapiens humanus, sprich der menschliche Mensch eine echte Chance hat...
    Es mehren sich die Zeichen, daß der Ausdruck 'den Arsch riskieren' nicht länger als Prostitution ehlinterpretiert wird...
    Möge die Macht mit uns sein!

    sein Gehirn

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